3.3.) Grenzgang 993, 1007, 1013
Der hl. Bernward Bischof von Hildesheim (993-1022, hl. 1193) hat bedeutende Plastiken aus Bronze in seiner Zeit initiiert und geschaffen. Besonders bekannt sind die Reliefsäule und die Eingangstür des Doms in Hildesheim. Er förderte bildende Kunst und Baugewerke, eine bedeutende Entwicklungsaufgabe für Land und Leute um die mittelalterliche Jahrtausendwende. Die Erschließung von Rohstoffquellen wie z.B. der Raseneisenstein war für dieses Streben eine Notwendigkeit. Als Erzieher Kaiser Otto des III. war der Bischof sicher ein ausgesprochen einflußreicher Würdenträger seiner Zeit. Um Grenzvereinbarungen zwischen Ländern oder Bistümern zu treffen, waren wohl die Beteiligten, Zeugen und Grenzfachleute und jedes mal auch Ortsbegehungen nötig. Ein Aufwand den man ohne zwingenden Grund nicht alle paar Jahre wiederholt, es sei denn eine bedeutende Veränderung habe sich ergeben. Aus den Grenzbeschreibungen zwischen den Bistümern Minden und Hildesheim von 993, 1007 und 1013 möchte ich hier einige Punkte neu ausleuchten:

1.) 993 = "Lac Eil"; 1007 = fluvius nomine Legine ille vero fluvius Leine; 1013 = in Leagine. nach MÜNKEL Die Punkte weisen inhaltlich auf die gleiche wenn auch nicht räumlich gleiche Situation hin. Lac = lat. Lacus = Lache, Flut, Gewässer also auch Überschwemmung, Eil = Eiland; 1007 = hier wird das Überschwemmungsgebiet der Leine als Legine namhaft gemacht; 1013 die Definition von 1007 lag vor und konnte als gültig für den Begriff Leagina (bis auf eine Rechtschreibdifferenz) angenommen werden. Zur Bergung des Raseneisenerzes war es notwendig, das in der Landschaft stehende Wasser abzulassen. In der ursprünglichen Landschaft die wahrscheinlich bis zu diesem Zeitpunkt von Menschen nicht systematisch genutzt wurde, konnte durch Wegräumen von Hindernissen, z.B. Brechen von Biberdämmen oder Kanalgrabungen eine günstige Ausgangssituation geschaffen werden. Als Beleg dieser Überlegungen können unterschiedliche Bruchgebiete angenommen werden, auch ragt eine ursprüngliche "Restlandzunge" in den heutigen Maschsee (diese wurde ca 1850 ein paar Jahre für die Altenbekenerbahn genutzt), ich sehe in dieser, eine Ausspülung von Sand und Lehm aus dem nordöstlichen "Lago de Eil". Eine weitere Konsequenz durch die Bewegung der gewaltigen Wassermassen ist die Ausspülung der "Tiefen Riede". Alles in allem mußten diese Veränderung eine Neufeststellung der Grenze zur Folge haben.
2.) 993 = Gereshus; 1007 = Tigislehe; 1013 = Tigislege. nach MÜNKEL Bei diesen Begriffen handelt es sich meines Erachtens nicht um einzelne Grenzpunkte sondern um die Gesamtheit des Anliegens. Gereshus, Gere = Gären (in diesem Fall durch Brennen von Eisenerz an das Schmelz kommt), shus = Schutz = Eingrenzung (auch der Schuh ist ein Schutz für den Fuß oder die Hand) aber auch ein Haus zum Gären würde Sinn machen; Tigisleh(g)e, Tig = Tag = Tagewerk = Arbeit, is = für Eisen, lehe = Lehen = Abgabenpflichtiges Leihgut, lege = für Lage (was Lehen nicht ausschließt) Bei dem Begriff Tigislehe handelt es sich also um einen Tagebau zum Lehen, der Zwecke die Eisengewinnung, das entspricht in etwa auch dem Begriff Gereshus (wie oben gedeutet, wobei auch ein Grenzhaus die Gesamtüberlegung nicht stören würde).
3.) In allen drei Grenzbeschreibungen kommt der Begriff Mesa(e)nsten(e) vor. Messen = Maß, das entspricht einer Zuteilung, gleich Teilung, stene = Steine für den Erzstein. Auch diese Örtlichkeit muß keinen festen Grenzpunkt darstellen.
4.) 993 = in occidentali parte Bredanlagu nach MÜNKEL =in westlicher entlang den Bredan = breiten lagu = See; In den Grenzbeschreibungen von 1007 und 1013 kommt keine vergleichbare Bestimmung vor, der See als solcher ist "abgelassen" und die Landschaft somit relativ trocken gelegt.
5.) Es folgen in den Grenzbestimmungen noch weitere Punkte, von denen der ein oder andere mit dem direkten Abbau in Verbindung zu bringen ist, und somit eine veränderbare Variante. Mir noch erklärbare Namen: 993 = Wikanbroke = Weg am Bruch; 1007 = Eilwardingaburstalla = Eil die Landschaft dieser Gegend, ward = Wehr, inga = Gemeinschaft, burstalla = bebaute Stelle = Wohnstätte; Elwardinga = wie davor (wenn i vergessen, El kann auch für lang stehen) aber statt Wohnort gleich Aktionsort.